Leitung:                Alexander Ramm

Gründungsjahr:      1997

Schüler:                ca. 70 Schüler

 

Das Sinfonische Musikschulorchester Sachsen-Anhalt begeht 2017 sein 20jähriges Bestehen.

Auf Initiative und unter der Trägerschaft des LVdM wurde 1997 dieses Musikschulorchester als eines von drei Regionalorchestern im Land Sachsen-Anhalt unter Leitung von Peter Wegener gegründet. Das Gründungskonzert fand am 15. Februar 1997 in der Aula des Gymnasiums Wanzleben mit 43 Schülern statt. 

Regelmäßig treffen sich seitdem vor allem Schüler aus den Musikschulen des Landes, die keine oder nur wenige Möglichkeiten zum Orchesterspiel haben, um gemeinsam zu musizieren und Erfahrungen auszutauschen. In zwei bis drei Arbeitsphasen pro Jahr wird gemeinsam mit einem sehr engagierten Tutorenteam ein anspruchsvolles Konzertprogramm erarbeitet, welches bisher immer das Publikum in voll besetzten Konzertstätten wie der Johanniskirche in Magdeburg oder der Ulrichskirche in Halle begeisterte.

Nach langjähriger Tätigkeit als Tutor übernahm Herr Alexander Ramm im Jahr 2014 die künstlerische Leitung des Orchesters.

Mittlerweile zählt das Orchester etwa 70 Schülerinnen und Schüler im Alter von 11-20 Jahren. Mehrere Schüler-Generationen haben über die Mitwirkung in diesem Ensemble Zugang zu neuen musikalischen Erlebnissen und Erfolgen, aber auch zu neuen Freundschaften gefunden. Etliche Schüler konnten sich über dieses Orchester für das Jugendsinfonieorchester Sachsen-Anhalt bzw. für ein Musikstudium qualifizieren.

Besondere Höhepunkte, seit Bestehen des Orchesters, waren die erfolgreiche Teilnahme am V. Europäischen Jugendmusikfestival in Barcelona 1998, gemeinsame Proben und Konzerte mit polnischen Musikschülern in den Jahren 2001 bis 2004, die Teilnahme am 8. Europäischen Jugendmusikfestival in Malmö-Copenhagen 2004.

 

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Festkonzert zum 20jährigen Bestehen des sinfonischen Musikschulorchesters Sachsen-Anhalt

Kulturminister Robra musiziert an der Bratsche mit den Musikschülern

Von Dr. Rüdiger Pfeiffer

Bereits mit einem herzlichen Auftrittsbeifall wurden die gut siebzig jungen Musikanten des Sinfonischen Musikschulorchesters in der voll besetzten Magdeburger Johanniskirche begrüßt, wobei allerdings unter den Jugendlichen in weiß-schwarzer Konzertkleidung ein hochgewachsener Herr im blauen Anzug auffiel. Doch die Spannung bis zur Lösung des für manchen Konzertbesucher wohl doch aufkommenden Rätselratens wurde erst einmal noch erhöht, da der Geschäftsführer des Landesverbandes der Musikschulen Sachsen-Anhalt e.V. Dr. Christian Reineke ans Rednerpult trat, die Eltern und Verwandtender Musikanten sowie die Ehrengäste begrüßte und in seiner Laudatio einen Blick auf zwanzig Jahre Sinfonisches Musikschulorchester Sachsen-Anhalt warf.

Mit einem Dank an die Gründungsarchitektin Britta Scheller, an den langjährigen Leiter Peter Wegner und an die treuen und engagierten Musikschullehrer als Tutoren der Probenarbeit hob er das erste Konzert dieses Ensembles 1997 in der Aula des Gymnasiums Wanzleben mit 43 Jugendlichen hervor. Seither finden zwei Probenphasen – jeweils in den Sommer- und Winterferien – statt und am Ende wird in einem Konzert das musikalische Ergebnis vorgestellt. Darüber hinaus führten Konzertreisen das jugendliche Orchester als klingenden Botschafter mitteldeutscher Musikkultur aus Sachsen-Anhalt ins Ausland zu internationalen Begegnungen.

Und nun endlich wurde auch die kleine Überraschung gelüftet, denn einer der Ehrengäste saß nicht auf seinem Platz in der ersten Reihe, sondern bereits mit auf dem Konzertpodium. So war die Begeisterung groß, dass es sich der Minister für Kultur und Chef der Staatskanzlei Sachsen-Anhalt Rainer Robra nicht hat nehmen lassen, seine Bratsche auszupacken, um gemeinsam mit den jungen Instrumentalisten das Prélude aus dem Te Deum von Marc-Antoine Charpentier, heute bekannter als Eurovisions-Fanfare, zu musizieren. Da fehlte nur noch ein Flügel und der im Publikum als Ehrengast sitzende klavierspielende Innenminister Holger Stahlknecht hätte den musikalischen Reigen der Musikanten in der Landesregierung von Sachsen-Anhalt fortsetzen können.

In seinem Grußwort bezeichnete der Minister für Kultur das Sinfonische Musikschulorchester Sachsen-Anhalt als „einen Glücksfall für unser Land“ und wies auf die grundlegende Bedeutung musikalischer und künstlerischer Bildung sowie auf die enge Verbindung von Verstand und Sinneswahrnehmung sowie das sozial-engagierte Miteinander im Ensemblespiel für die umfassende Persönlichkeitsentwicklung hin. Nur zwei Bundesländer, Brandenburg und Sachsen-Anhalt, verfügen über ein Musikschulgesetz, das zugleich Grundlage für die 21 staatlichen Musikschulen in Sachsen-Anhalt ist, an denen herausragende Instrumental- und Gesangspädagogen qualitativ hochwertigen Unterricht vermitteln und sich den keineswegs immer leichten Herausforderungen der musikalischen Kinder- und Jugendarbeit in der Breite bis hin zur künstlerischen Spitze stellen, wie erst jüngst die hervorragenden Ergebnisse beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ wieder einmal gezeigt haben.

Mit diesen gewichtigen Worten war der musikalische Teil eröffnet, der gleich im beschwingten Walzertakt daherkam. Michail Glinka, Schöpfer der russischen Nationaloper, zeigt sich mit seiner Valse-Fantaisie in h-Moll mit weltgewandter Eleganz auf dem europäischen Musikparkett. Unter dem Dirigat von Alexander Ramm, der viele Jahre als Assistent das Jugendorchester betreut hat und es nunmehr seit drei Jahren leitet, erklang ein farbenreicher Walzertraum. Streicher und Holzbläser warfen sich im Wechselspiel die Motive zu, die melodischen Linien der Violinen wurden von den Celli kontrapunktiert, die Klarinetten brillierten und die Blechbläser setzten ihre Glanzlichter auf.

Das Programm wechselte zur deutschen Spätromantik und dem Glinka-Walzer folgte der Marsch (WAB 96) aus der Feder von Anton Bruckner. Der etwas düster in d-Moll fast statisch mit stets wiederkehrendem und bedrückend wirkendem punktierten Marschrhythmus einherkommende Orchestersatz wurde mit rhythmischer Präzision in der Bass-Gruppe und sanglichem Ton in den Violinen und Holzbläsern, insbesondere in der Kombination von Violinen und Klarinette, Oboe und Horn sowie Fagott und Bratschen, gemeistert. Insgesamt verfolgt Dirigent Alexander Ramm eine sehr ausgewogene Kulturviertheit im Orchesterklang und in der Proportionalität der Instrumentengruppen.

Mit der mythischen Figur des blinden keltischen Sängers Ossian, wie sie sich das 19. Jahrhundert erdichtete, führte das Orchester in die graue Vorzeit altnordischer Bardengesänge und ihrer volkstümlichen Weisen zur keltischen Harfe. Die „Nachklänge von Ossian“ in Form einer sinfonischen Ouvertüre sind ein Geniestreich des 22-jährigen dänischen Komponisten Niels Wilhelm Gade. Mit diesem Opus Nr. 1 gewann er einen vom Kopenhagener Musikverein 1841 ausgeschriebenen Kompositionswettbewerb. Hohe Konzentration des Zusammenspiels war hier bei der Interpretation gefragt. Aus dunklen Streichklängen der Violoncelli erhebt sich der archaische Gesang des Ossian, der von der Klarinette, später von den Flöten und Oboen aufgegriffen wird und sich mit den Hörnern, Posaunen und Trompeten zu einem kompakten Klangsatz verdichtet. Das klangschön musizierte Cello-Duo des ersten Pults führt wieder zurück zur Grundstimmung der nordischen Sagenwelt. Insgesamt wurde hörbar, wie Dirigent Alexander Ramm die Möglichkeiten der jungen Musiker zu regelrecht leuchtender Klanglichkeit vom leisen Piano bis zum starken Fortissimo zu wandeln verstand und die Spieler seinen Intentionen folgten.

Nach der Pause wussten die jungen Orchestermusiker noch weitere klangliche Glanzlichter aufzusetzen. Es war vor allem eine Sternstunde der Percussionisten. Filmmusik erfreut sich auch im sinfonischen Spiel großer Beliebtheit, doch sind oftmals spezielle Bearbeitungen für die Besetzung eines Klangkörpers erforderlich. Zu den Besonderheiten des Jubiläumskonzerts gehört das eigens für das Sinfonische Musikschulorchester geschaffene Arrangement der Sinfonischen Suite aus der Filmmusik von Harry Potter durch ein Orchestermitglied. Mit großer Freude und sichtlichem sowie hörbarem Vergnügen musizierten die Jugendlichen die von Irma Heinig, die selbst verschiedene Schlaginstrumente spielte, geschaffene farbenfrohe und spielfreudige Fassung.

Nach dem furiosen Wirbel des Finales (Furiant) aus der Tschechischen Suite op. 39 von Antonín Dvorak steigerte sich das Orchester zur Hochform für die musikalische Collage aus der West Side Story von Leonard Bernstein. Die Partitur der modernen Romeo-und-Julia-Version stellt viele Herausforderungen, bietet aber ebenso dankbare Möglichkeiten, die ein sinfonischer Orchesterapparat auszureizen vermag: Mitreißende Rhythmen und eingängiger Sound, sangbare Melodien und ungewöhnliche harmonische Verläufe. Hier ließen die Geigen hören, zu welch melodiösem Glanz sie aufzublühen vermögen, untersetzt von den komplexen Rhythmen der zahlreichen Percussion-Instrumente mit ihren zahlreichen, stets wechselnden Spielern bis hin zu den Einwürfen der gestopften Trompeten im Jazzsound, von den zarten Pianostellen jugendlicher Liebe bis zur geballten Klangkraft eines sinfonischen Fortissimo beim Kampf der Straßengangs– verdienter, nicht enden wollender Applaus brauste auf und strahlende Gesichter dankten dem Publikum.

Mit solch überragenden Konzerterlebnissen im Ensemblespiel verbinden sich für die jugendlichen Musikanten gleichermaßen großartige gemeinsame Erlebnisse im Probenlager wie bleibende Erkenntnisse des eigenen musikantischen Vermögens, über das die einstudierenden Tutoren und ein befähigter Dirigent wie Alexander Ramm weit hinauszuführen verstehen. Wieder einmal zeigt sich: Musik bereichert das Leben und die Persönlichkeit. Ein großartiges Festkonzert zum 20-jährigen Bestehen des Sinfonischen Musikschulorchesters Sachsen-Anhalt.