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Musisch-ästhetische Bildung in Sachsen-Anhalt durchzuführen bedeutet, seit dem Pilotjahr 2001 auf freiwilliger und kostenfreier Basis Kindern aus allen gesellschaftlichen und kulturellen Schichten den praxisbezogenen Umgang mit Musik zu ermöglichen. Finanziert durch Landesmittel erteilen Fachlehrkräfte der Musikschulen an allgemein bildenden Schulen in Gruppen mit mindestens acht Kindern ergänzenden musikpraktischen Basisunterricht. Als Projekt steht MäBi in Trägerschaft des Landesverbandes der Musikschulen Sachsen-Anhalt e.V., der als zentrale Koordinationsstelle kontinuierliche Qualitätssicherung gewährleistet.

MäBi basiert somit auf den drei grundlegenden Rahmenkriterien Freiwilligkeit, Kostenfreiheit und LVdM-Koordination – organisatorische Säulen, die in Sachsen-Anhalt zu einem stabilen Fundament schichten- unabhängiger Breitenmusikalisierung geworden sind. Ergänzend zum obligatorischen Schulmusikunterricht erreicht das Kooperationsprogramm ca. 3.300 Schüler und Schülerinnen in 179 Angebotsstunden an Grundschulen, 18 in sonderpädagogischen Einrichtungen, 14 an Sekundarschulen, 15 an Gymnasien und ein Angebot in einer Integrierten Gesamtschule.

Der musikpraktische Basisunterricht weist in den Projektangeboten vor Ort eine vielseitige Ausgestaltung auf. Folgende Angebotsformen werden derzeit innerhalb MäBi offeriert (nach Häufigkeit):

 

  • Klassenmusizieren mit Perkussion-Instrumenten                                   (71)
  • Musizierendes Klassenzimmer                                                            (64)
  • Klassenmusizieren mit Blockflöten                                                      (29)
  • Klassenmusizieren mit Streichinstrumenten                                          (11)
  • Instrumentenkarussell (Vorstellung verschiedener Instrumente)             (10)
  • Klassenmusizieren mit Blasinstrumenten                                              (08)
  • Musik und Bewegung                                                                      (07)
  • Musiktheater/Musical                                                                       (07)
  • Klassenmusizieren mit Keyboards                                                       (06)
  • Klassenchor                                                                                   (05)
  • Klassenmusizieren mit Zupfinstrumenten                                            (04)
  • Instrumentalensemble mit verschiedenen Instrumenten                      (04)
  • Klassenmusizieren mit Akkordeons                                                    (01)

Insbesondere Projektangebote mit dem Schwerpunkt Perkussion, Bewegung und Gesang erfreuen sich besonderer Beliebtheit bei Schülern und Lehrkräften. Schon jetzt bilden sie mit circa 65% den höchsten Anteil aller gehaltenen MäBi-Stunden. Dies ist sicherlich auf die relativ geringen musikdidaktischen und organisatorischen Installationshürden sowie der sehr guten Kompatibilität dieser Angebotsformen mit denen im Grundschullehrplan Musik geforderten musikpraktischen Inhalten zurück zu führen.

Die Grundschule gehört zum pädagogischen Kernbereich von MäBi und soll zukünftig zum ausschließlichen Verwirklichungsort werden. So belegen zahlreiche wissenschaftliche Studien, dass praktisches Musizieren einen umso größeren Einfluss auf persönlichkeitsfördernde Kompetenzen hat, je früher mit dem eigenen Musizieren begonnen wird.

Um die netzwerkartigen Kooperationen beider Bildungseinrichtungen intensivieren zu können, gilt es deshalb, MäBi konzeptionell, systemisch und inhaltlich noch stärker als bisher an den Grundschullehrplan Musik auszurichten, um so eine maximale Bildungseffektivität der unterrichteten Kinder zu erreichen. MäBi soll primär eine fakultative Erweiterung der obligatorischen Grundschulausbildung sein, die quasi als Schnittstelle das im Unterrichtsfach Musik Kennengelernte vertieft und mit diesen Inhalten gleichzeitig eine sich möglicherweise weiterführende Musikschulausbildung positiv beeinflusst.

Folgende Vernetzungspunkte zwischen Grundschulausbildung und MäBi fungieren dabei als zentrale Gemeinsamkeiten und stellen so gewissermaßen Säulen der kooperativen Ausrichtung dar.

 

Vernetzungspunkt 1 bezieht sich auf das Grundanliegen, basalmusikalische Praxis durch qualifiziertes Fachpersonal nachhaltig zu vermitteln.

Vernetzungspunkt 2 eint beide Bildungsangebote in ihrem gemeinsamen Grundsatz, Chancengleichheit durch Teilhabegerechtigkeit zu ermöglichen. MäBi versteht sich damit als voraussetzungsfreie und fakultative Erweiterung des musikpraktischen Grundschulunterrichts.

Vernetzungspunkt 3 bildet gemeinsame Schwerpunkte in der praxisbezogenen Arbeit. Der Lehrplan Musik für die Grundschule ist hinsichtlich seiner musikpraktischen Inhalte vorwiegend auf das Musizieren mit Perkussion-Instrumenten und den Klassengesang ausgerichtet. Da diese beiden Unterrichtsformen des Großgruppenmusizierens in der statistischen Häufigkeitsverteilung innerhalb MäBi prozentual am stärksten vertreten sind und sich ihre musikdidaktische Sinnhaftigkeit trotz der Großgruppen komplementär verwirklichen lässt, wird flankierend zu den Inhalten des Grundschulehrplans Musik ein MäBi-Leitfaden mit diesen Unterrichtsschwerpunkten erstellt.

Vernetzungspunkt 4 stellt die Vereinbarkeit mit dem Ganztagsschulkonzept dar. Durch die von der Bildungspolitik angeregte flächendeckende Einführung des Ganztagsschulkonzepts stehen Musikschulen wie auch allgemein bildende Schulen und deren Schüler vor neuen Herausforderungen. Hierbei eignet sich MäBi in ganz besonderem Maße, den gewünschten Aufbau von Ganztagsschulen als regionale Lernnetzwerke schulischer und außerschulischer Bildungsinitiativen zu unterstützen. So sehen viele Ganztagsschulkonzepte ein Neu-Rhythmisieren der Schul- und Unterrichtszeiten zur Optimierung der Lernverhältnisse von Schülern bis in den späten Nachmittag hinein vor. Hierdurch entstehen zeitlich Freiräume, die einerseits außerschulische Bildungsangebote in den Ganztagsschulablauf integrieren helfen und es anderseits Musikschullehrkräften ermöglichen, vormittags MäBi zu unterrichten. Damit können nicht nur originäre Leitideen der Ganztagsschulkonzeption verwirklicht sondern auch allzu drastische Folgen, die durch eine Überschneidung der Kernunterrichtszeiten beider Institutionen für die Kinder entstehen, weitestgehend vermieden werden.

Vernetzungspunkt 5 steigert die Attraktivität des Bildungsstandortes Sachsen-Anhalt. Gerade hinsichtlich aktuell demographischer Studien, die für Sachsen-Anhalt auch zukünftig einen anhaltenden Bevölkerungsrückgang prognostizieren, ist es umso notwendiger geworden, Bildungsinstitutionen landesweit mit verstärkten Anstrengungen weiter zu optimieren. Schließlich steht und fällt die Attraktivität eines Bundeslandes mit der Qualität seiner Bildungseinrichtungen. Durch den konzeptinternen Anspruch, qualitätsvolle Breitenmusikalisierung nachhaltig in der Bildungslandschaft zu verankern, stellt MäBi daher einen wichtigen Faktor dar und hilft, die zukünftige Prosperität soziokulturellen Lebens gerade auch in den ländlichen Gebieten Sachsen-Anhalts zu sichern.

Gerade im Hinblick knapper öffentlicher Haushaltskassen muss es bei einem Kooperationsprojekt wie MäBi prinzipiell darum gehen, die eingesetzten Fördermittel des Landes so umzusetzen, dass auf kostenfreier Beteiligungsbasis eine maximale Anzahl musikalisch interessierter Kinder erreicht werden kann. Hierfür ist Großgruppenunterricht notwendig, dessen Teilnehmerzahl nicht aufgrund musikdidaktischer Erwägungen beschränkt sein darf. In dem zuvor Dargestellten wird deshalb unterstrichen, dass dieses nur durch inhaltliche Schwerpunktsetzung auf Perkussion-Instrumente geschehen kann, die im alternativen Chorgesang ihre melodische Ergänzung findet. Eine derartige Profilierung bewirkt, dass MäBi in vertiefender Weise die allgemeine Schulbildung erweitert und gleichzeitig in fächerübergreifender Art Grundlagenbildung für eine mögliche Musikschulausbildung mit individuellen Kleingruppen- beziehungsweise Einzelunterricht darstellt.


MäBi wird somit zu einem brückenartigen Kooperationsprojekt, das die originären Bildungsaufträge der beteiligten Institutionen bewahren hilft und sie in einer beidseitigen Bereicherung sinnvoll aufeinander abstimmt.